Karrierebewusste junge Anwälte sehen eine Alternative: die Boutique

Fünf Fragen an Gründer und Quereinsteiger bei AMPERSAND, Philipp Neels, Cyra Halff und Hosea Haag

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Die Münchner IP-Boutique AMPERSAND, Strategischer Partner von IntellectualProperty, hat sich in den vergangenen sechs Jahren seit ihrer Gründung zu einer festen Größe auf dem IP-Markt entwickelt. Das Bekenntnis zu einer spezialisierten kleinen, aber starken Einheit ist unverkennbar. Jetzt ist die Kanzlei um zwei Berufsträger gewachsen. Cyra Halff, zuletzt in einer größeren Münchner Medienkanzlei tätig, und Philipp Neels, zuvor Partner bei Wallinger Ricker Schlotter Tostmann, kommen an Bord. Mit ihnen und Hosea Haag, einem der Gründungspartner der Kanzlei, sprach Thomas Wegerich. 

IntellectualProperty: Im Rechtsmarkt ist der Trend erkennbar, dass sich jüngere Anwälte zusammenschließen und kleinere Rechtsanwaltskanzleien gründen. Was macht den Reiz einer Boutique aus?

Philipp Neels: Aus meiner Sicht macht insbesondere das Fehlen der gefestigten Strukturen und Hierarchien, die in größeren Einheiten bestehen, den Sprung „ins kalte Wasser“ für jüngere Anwälte attraktiv. Die realistische Möglichkeit, auf das Arbeitsumfeld, den Stil der Kanzlei und deren wirtschaftliche und personelle Entwicklung persönlich und nachhaltig Einfluss zu nehmen, ist in einer Boutique weitaus stärker gegeben als in größeren Einheiten. Das größere wirtschaftliche Risiko bei vergleichbaren Arbeitszeiten wird offensichtlich aus Sicht vieler junger Anwälte durch die Gestaltungsfreiheit mehr als aufgewogen.

Boutiquen mit einem hohen Grad an Spezialisierung bieten auch die Möglichkeit, Beratung auf hohem Niveau anzubieten, und sind daher aus meiner Sicht für Mandanten und junge Anwälte attraktiv, die natürlich an rechtlich interessanten und großen Verfahren mitwirken wollen.

Cyra Halff: Für mich zeichnen sich Boutiquen insbesondere durch kurze Wege, schnelle Entscheidungen, effizientes Arbeiten und ein funktionierendes Teamwork aus. Zudem ist die persönliche und karrierebezogene Flexibilität in einer kleineren Einheit weitaus stärker gegeben als in einer größeren.

Auch empfinde ich als noch recht junge Anwältin bei einer Boutique mit einem hohen Grad an Spezialisierung die enge Zusammenarbeit mit Partnern und Kollegen als reizvoll. Durch den ständigen Austausch profitiert man ungemein von der Expertise und dem Know-how der Partner. Dies ist mit Sicherheit auch ein Grund, warum Boutiquen einen exzellenten Ruf genießen und ein hohes Beratungsniveau bieten können.

Hosea Haag: Seit wir vor sechs Jahren, noch halb so groß, starteten, habe ich festgestellt, dass viele Mandanten und Kollegen vor allem die Vorzüge sahen, dass es weniger Konflikte und eine bessere Kostenstruktur gibt. Uns hat das damals alle nicht getrieben, und es freut mich natürlich, dass auch die Zugänge, die wir gewinnen konnten, eher auf die persönliche Freiheit und die Qualität der Arbeit schauen.

IntellectualProperty: Und was macht AMPERSAND besonders?

Philipp Neels: Bei AMPERSAND finden sich natürlich viele der gerade besprochenen Vorteile einer Boutique, wie beispielsweise eine klare Spezialisierung, in diesem Fall auf IP. Besonders machen AMPERSAND – auch wenn dies abgedroschen klingt – aus meiner Sicht tatsächlich die Persönlichkeiten und der daraus resultierende Stil und die Arbeitsweise. Alexandra Heyn, Thomas Schafft, Hosea Haag, Morten Merx und Daniel Kaboth sind nicht nur ausgezeichnete und erfahrene Anwälte, sondern auch ausgeprägte Anwaltspersönlichkeiten.

Hosea Haag: Als Thomas (Schafft) mich damals ansprach, sagte er: „Der Plan ist, die beste IP-Boutique zu sein“ (zwinkert) …

Cyra Halff: Die Bündelung von extrem viel Know-how und Expertise auf dem weiten Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes. AMPERSAND vertritt anspruchsvolle, auch internationale Mandanten, vom Freiberufler bis zum Weltkonzern – und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, individuell auf Brancheneigenheiten und Wünsche der Mandanten einzugehen. Schon zu meiner Zeit als Inhouse-Juristin schätzte ich an der Kanzlei die auf die individuellen Bedürfnisse maßgeschneiderten Lösungen und den unternehmerischen Fokus.

IntellectualProperty: Sind Sie nicht auf die Idee gekommen, in eine der alteingesessenen Kanzleien zu wechseln, die zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten auf dem Markt zu finden sind?

Philipp Neels: Natürlich ist eine alteingesessene Kanzlei eine interessante Option. Ein etablierter Name hilft sicher auch beim Öffnen der einen oder anderen Tür. Auch hier steht jeder aus meiner Sicht vor der ganz persönlichen Abwägung, inwieweit gefestigte Strukturen und eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit einer etablierten Kanzlei der Gestaltungsfreiheit einer kleineren, jungen Einheit vorzuziehen sind. Die Frage wird sicherlich unterschiedlich bewertet werden, und die Antwort hängt nicht zuletzt von der Anwaltspersönlichkeit und zahlreichen weiteren Faktoren ab.

Cyra Halff: Meine Entscheidung für AMPERSAND war nicht eine Entscheidung gegen alteingesessene Kanzleien, sondern eine sehr bewusste Entscheidung für AMPERSAND. Mich haben die Partner mit ihrem enormen Fachwissen, ihrer Erfahrung und ihrer Persönlichkeit überzeugt. Schon der Prozess des gegenseitigen Kennenlernens über einige Monate hinweg war von einer Offenheit und Kollegialität geprägt, die mich in meiner Entscheidung sehr sicher gemacht hat.

Hosea Haag: Mich hätten schon die dort bestehenden Strukturen geschreckt. Und es ist eine besondere Herausforderung und damit besonders lohnend, eine Kanzlei ganz aus eigener Kraft aufzubauen.

IntellectualProperty: Wie stellen Sie sich die berufliche Zukunft vor?

Philipp Neels: In naher Zukunft haben wir erst einmal den Umzug in ein größeres Kanzleigebäude vor uns, da unsere jetzigen Räume zusehends knapp werden. Im Hinblick auf die Zukunft von AMPERSAND ist es sicherlich nicht ausgeschlossen, dass das Team auch noch weiter wachsen wird. Wachstum ist allerdings kein Selbstzweck, und Voraussetzung dafür ist, dass alle weiteren Anwälte eine hervorragende fachliche Kompetenz mitbringen und persönlich zu dieser Kanzlei passen. Dies waren, soweit ich das beurteilen kann, auch in der Vergangenheit die maßgeblichen Gesichtspunkte bei allen Überlegungen.

Cyra Halff: AMPERSAND hat durchaus ehrgeizige Pläne. Gerne möchte ich Teil dieser Entwicklung sein und freue mich, meine Persönlichkeit und Kompetenz einbringen und fortentwickeln zu können. Meine Leidenschaft für Bücher, Medien und die schönen Künste ist ungebrochen. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine exzellente Rechtsberatung nur mit der entsprechenden Passion möglich ist. Gerade mit Alexandra Heyn und Daniel Kaboth habe ich Partner gefunden, die diese Auffassung mit mir teilen und mich in meiner Spezialisierung erstklassig ausbilden und unterstützen. Mein Ziel ist es, mit den Partnern vom AMPERSAND zu wachsen und eines Tages selbst einer zu sein.

IntellectualProperty: Mit welchen Hoffnungen und Chancen ist dieser Neubeginn für Sie verbunden?

Philipp Neels: Die Hoffnung und auch Chance ist mit Sicherheit, AMPERSAND weiter zu etablieren und – in meinem Fall – insbesondere im Patentrecht gemeinsam mit Hosea Haag und Martin Wintermeier weiter an Präsenz und Visibilität zu gewinnen. Wenn dies nur ähnlich erfolgreich gelingt wie in allen Bereichen während der ersten sechs Jahre seit der Gründung der Kanzlei, mache ich mir um meine und die Zukunft von AMPERSAND keine Sorgen.

Cyra Halff: Ich hoffe, mich mit diesem Schritt beruflich weiterzuentwickeln, und bin guter Dinge, dass ich mittelfristig einen echten Beitrag zum Kanzleierfolg leisten kann.

Hosea Haag: Für uns gilt es jetzt die Balance zu wahren. Wir müssen das Momentum nutzen und die weiter wachsende Attraktivität der Kanzlei für Neu- und Quereinsteiger aufrechterhalten und zugleich den Charakter der Kanzlei bewahren. Bisher waren wir mit unserer auf diesem Gebiet fehlenden Kompromissbereitschaft gut beraten. Nur wer 100% zu uns passt, wird als neues Mitglied in Erwägung gezogen.

IntellectualProperty: Frau Halff, Herr Neels, Herr Haag – vielen Dank für dieses Gespräch. Wir werden AMPERSAND im Markt weiter eng begleiten.