Wachstum stabilisieren, gute Rahmenbedingungen schaffen

Fünf Fragen an: Dr. H. Ulrich Dörries, David Molnia und Philipp Nordmeyer, LL.M., Partner bei df-mp

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Die Münchener Sozietät df-mp zählt zu den führenden Adressen im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes in Deutschland und Europa. Der Wachstumskurs ist ungebrochen – daraus ergeben sich Aufgabenstellungen für das Management. Thomas Wegerich sprach mit Dr. H. Ulrich Dörries, David Molnia und Philipp Nordmeyer, LL.M.

IntellectualProperty: Herr Dr. Dörries, Herr Molnia, Herr Nordmeyer, Sie tragen bei df-mp Managementverantwortung. Welche sind derzeit die wichtigsten Themen auf Ihrer Agenda?

Dr. Dörries: Wir sind über die vergangenen Jahre hinweg konstant gewachsen. Ein Ende dieses Trends zeichnet sich derzeit nicht ab. Damit ergibt sich als Hauptaufgabe des Managements, dieses Wachstum zu stabilisieren und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Der Erfolg unserer Kanzlei steht und fällt mit unseren Mitarbeitern. Für uns ergibt sich daraus das Thema, wie wir unseren Mitarbeitern, die einen wesentlichen Anteil an dem Wachstum der vergangenen Jahre hatten, weiterhin einen angemessenen und modernen Arbeitsplatz bieten können. Den sich ändernden Wünschen der Mitarbeiter bezüglich einer höheren Flexibilität bei Arbeitszeiten und Arbeitsort versuchen wir durch flexiblere Modelle der Zusammenarbeit entgegenzukommen, etwa der Möglichkeit, teilweise im „Home-Office“ oder von unterwegs aus zu arbeiten. Gleichzeitig halten wir es aber für wichtig, den engen fachlichen und persönlichen Austausch aller Mitarbeiter innerhalb der Teams, die an den Projekten unserer Mandanten arbeiten, weiterhin zu pflegen. Wir wollen auch das Gefühl, Teil eines Zusammenschlusses zu sein, für den es sich einzusetzen lohnt und mit dem sich alle identifizieren können, weiter pflegen. Diesen Spagat zwischen den Wünschen der Mitarbeiter nach einem flexiblen Arbeitsort und der Notwendigkeit eines persönlichen Austauschs zu bewältigen wird in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema sein.

Voraussetzung für die Umsetzung dieser flexiblen Modelle ist auch, die notwendige IT-Infrastruktur dafür bereitzustellen. Dazu ist die Verwendung der elektronischen Akte unabdingbar, die wir bereits vor einigen Jahren eingeführt haben. Bis auf einige umfangreiche Altfälle werden die Akten bei uns in der Kanzlei in der Zwischenzeit ausschließlich elektronisch geführt. Wir haben auch massiv in den Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur investiert, um eine schnelle Anbindung extern arbeitender Mitarbeiter an die Kanzleisysteme zu gewährleisten.

Aus dem obengenannten Wachstum ergibt sich auch das Thema der Gewinnung weiterer qualifizierter Mitarbeiter, die in das bestehende Team passen und es bereichern. Zum einen versuchen wir im Patentanwaltsbereich weiterhin selbst auszubilden, so dass wir einen Teil unseres Bedarfs durch von uns ausgebildete Patentanwälte decken können. Die Gewinnung von Quereinsteigern ist aber auch ein wichtiges Thema, das in jedem einzelnen Fall ganz individuell angegangen werden muss.

Zum anderen ist auch die kontinuierliche Weiterbildung ein wichtiges Thema, das von uns gefördert und von den Kanzleipartnern auch gelebt wird. Nur als Beispiel: Philipp Nordmeyer hat zusätzlich zu seinen patentanwaltlichen Qualifikationen im Rahmen des Masterstudiums „Europäischer gewerblicher Rechtsschutz“ bei der FernUniversität Hagen den Titel eines „Master of Law“ (LL.M.) erlangt. David Molnia und ich haben dieses Jahr beim CEIPI in Straßburg das „European Patent Litigation Certificate“ erworben. Wir fordern und fördern die Weiterbildung aller unserer Mitarbeiter.

IntellectualProperty: Konkret: Wie ist das Geschäftsjahr 2018 bisher für Ihr Haus gelaufen?

Dr. Dörries: Das Geschäftsjahr 2018 schickt sich an, eines der besten Jahre seit Kanzleigründung zu werden. Wir konnten sowohl im Inland als auch im Ausland interessante neue Mandate gewinnen, die wir nun mit Freude bearbeiten und ausbauen.

Damit ergeben sich aber noch deutlicher die zuvor genannten Herausforderungen bezüglich der Wünsche der bisherigen Mitarbeiter sowie der Gewinnung neuer Mitarbeiter.

IntellectualProperty: Der Wettbewerb im Rechtsmarkt nimmt ständig weiter zu. Mit welcher Strategie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Molnia: Wir sehen uns im Bereich der Patentanwalts-sozietäten gut positioniert. Der Wettbewerb nimmt zweifellos zu, was sich schon an der kontinuierlich steigenden Zahl der Berufsträger ablesen lässt. Gleichzeitig drängen immer mehr Dienstleister in klassische Betätigungsfelder der Patentanwälte, etwa im Bereich der Übersetzungen, der Überwachung und Zahlung von Jahresgebühren, der Validierung von Schutzrechten, der Schutzrechtsüberwachung sowie der Recherchedienstleistungen.

Wir haben diese Entwicklungen frühzeitig erkannt und sind hier strategische Partnerschaften mit Dienstleistern beispielsweise im Bereich der Jahresgebührenüberwachung und -zahlung, der Übersetzungen und der Validierungen eingegangen. Diese Zusammenarbeit mit Dienstleistern wurde uns teilweise auch von unseren Mandanten nahegelegt oder vorgegeben.

Wir fokussieren entsprechend auf unser Kerngeschäft, die eigentliche patentanwaltliche und markenrechtliche Beratung unserer Mandanten in deren jeweiligen Geschäftsfeldern. Dazu gehören unter anderem unsere Expertise im Bereich des Verfassens von Patentanmeldungen und die Durchführung des Patenterteilungsverfahrens zum Erreichen eines betriebswirtschaftlich relevanten Schutzes für die von unseren Mandanten entwickelten Technologien. Dazu gehört weiterhin unsere Expertise bei der Vertretung unserer Mandanten in Nichtigkeitsverfahren, Einspruchsverfahren und Patentverletzungsverfahren. Auch bei diesen streitigen Verfahren können wir auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen und sind daher dazu in der Lage, unseren Mandanten eine betriebswirtschaftlich relevante strategische Beratung zukommen zu lassen. Wir fördern einen Transfer der Expertise zwischen dem Patenterteilungsverfahren und dem streitigen Bereich und binden alle anwaltlichen Mitarbeiter vollständig in beide Betätigungsbereiche mit ein.

IntellectualProperty: Digitalisierung ist das wohl maßgebliche Thema für alle im Rechtsmarkt. Mandanten suchen hier zunehmend nach eigenen IT-Lösungen, stellen aber auch immer mehr Anforderungen an die Kanzleien. Wie hat df-mp sich hier positioniert?

Nordmeyer: Das ist ein spannendes Thema, das im Moment noch einer ständigen Weiterentwicklung unterliegt.

Wir haben vor wenigen Jahren den Wechsel auf ein Kanzleimanagementsystem vorgenommen, das die Integration der elektronischen Akte in die übrigen Kanzleiabläufe ermöglicht. Dadurch sind wir unserem Ziel der vollständigen elektronischen Akte schon sehr nahegekommen, was auch die zuvor genannten zunehmenden Anforderungen an uns als Arbeitgeber, betreffend die Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort, erfüllt. Bei der Anwendung der elektronischen Akte findet immer noch eine Feinjustierung statt, um sowohl den Bedürfnissen der administrativen Mitarbeiter als auch den Bedürfnissen der anwaltlichen Mitarbeiter gleichermaßen gerecht zu werden.

Gleichzeitig versuchen wir, der immer größer werdenden Dokumentenflut insbesondere in Streitverfahren durch zusätzliche Maßnahmen beizukommen, etwa durch kanzleiinterne geschützte Datenräume, auf die nur die Mitglieder des jeweils mit dem Fall befassten Teams Zugriff haben.

Einer der nächsten Schritte ist die Ablösung von kanzleiinternen E-Mails durch Kollaborationstools, die wir in naher Zukunft einführen werden. Unser Ziel hierbei ist es, die Technologien so einzusetzen, dass sie ihre jeweiligen Stärken voll entfalten können. E-Mail ist sicherlich kein geeignetes Tool, um Teams innerhalb der Kanzlei zu managen.

IntellectualProperty: Lassen Sie uns einen Blick in die Glaskugel wagen. Darf ich Sie bitten, diesen Satz – auch unter Berücksichtigung der zu erwartenden Brexit-Folgen – zu vervollständigen: In zwei Jahren wird df-mp …

Dr. Dörries: … mit oder ohne Brexit – und mit oder ohne den UPC – nach wie vor eine der führenden Kanzleien im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes in Europa sein, möglicherweise mit noch mehr Präsenz als ohnehin schon jetzt bei Verfahren, die sowohl wirtschaftlich von Gewicht als auch rechtlich von grundsätzlicher Bedeutung sind, was häufig miteinander einhergeht.

IntellectualProperty: Meine Herren, vielen Dank für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gewährt haben. Wir werden die weitere Entwicklung ihrer Sozietät eng begleiten.